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Die Zeit der kollektiven Trauer

Zu Zeiten, in denen die für lange Zeit den papiernen Medien vorbehaltenen, typischen Zeitungsannoncen in veränderter Form und zu wesentlich günstigeren Tarifen im Internet erscheinen, kann es kaum verwundern, wenn niemand mehr einsieht, für Zeitungen auch noch Geld zu bezahlen, wo sie doch auch andernorts zu lesen sind, wo sie kein Altpapier hinterlassen. Die Zeitung hat sich überlebt, Redakteure haben daran mitgewirkt, ohne rechtzeitig eine wirksame Interessenvertretung zu schaffen, die diese Entwicklung vielleicht hätte aufhalten können. Nun bleibt nur die Trauer, und die fühlt sich gleich viel besser an, wenn sie auf viele solidarische Schultern verteilt wird. Insofern hilft der Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten sicher auch ein Stückchen weiter, den Ausweg aber zeigt er selten auf, wo doch ein jeder lieber selbst vor sich hinwurschtelt und gute Tipps so leicht nicht weitergibt. Allzu sehr ist die viel gescholtene Presse von allen Seiten hofiert worden, als dass sie sich noch an den eigenen Haaren aus dem zum Teil zumindest auch selbst verschuldeten Dreck ziehen könnte. Da hört die Solidarität halt auf, wenn jeder – gezwungenermaßen, durch die üblen Machenschaften des bösen Marketings – zunächst einmal an die eigene Haut zu denken gewöhnt ist und für das Leid der Anderen seit jeher nur Achselzucken übrig hat.